Zahnpflege auch bei Hunden, Katzen & Co

Dr. Gerhard Biberauer
(Member of EVDS - European Veterinary Dental Society)

Für uns ist es selbstverständlich zweimal täglich Zähne zu putzen und regelmäßig einen Zahnarzt aufzusuchen. Für unsere Haustiere klingt das aber ziemlich exotisch. Ohne regelmäßige Kontrolle und Pflege des Tiergebisses können aber auch bei Ihnen Zahnverlust und schwerwiegenden Folgeerkrankungen auftreten. Das Um und Auf der Zahnpflege bei Haustieren ist deshalb ebenfalls regelmäßiges Zähneputzen und fachkundige Kontrolle durch einen Tierarzt. Probleme können so rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt werden.

Lieber Blitzblank und wohlriechend als Zahnstein, Gingivitis und Parodontitis

Die meisten Tierhalter bemerken Zahnprobleme ihres Haustiers durch den unangenehmen Mundgeruch. Durch Besiedelung des normalen Zahnbelages (aerobe Bakterien) mit spezifischen krankmachenden Bakterien (anaerobe Bacillen) entsteht zuerst mehr Zahnbelag (Plaque). Dieser Zahnbelag kann bereits eine Entzündung des Zahnfleisches (Gingivitis) auslösen. Aus dem Plaque entwickelt sich durch Mineralisation der sichtbare Zahnstein auf der Zahnkrone. Breitet sich der Belag und der Zahnstein aber auch Richtung Zahnwurzel unter dem Zahnfleisch aus, so kommt es zur Entzündung des Zahnhalteapparates – zur sogenannten Parodontitis. Der Verlauf und Grad der Zahnsteinbildung, Gingivitis und Parodontitis hängen dann vom Gesundheitszustand des einzelnen Tieres, den Ernährungsgewohnheiten und vor allem von der Zahnhygiene ab. Als Folgeerkrankung können Kontaktgeschwüre (Ulcera, besonders im Zusammenhang mit Nierenproblemen), schmerzhafte Zahnlockerung, Wurzelspitzen-abszesse, Fisteln oder Zahnausfall auftreten. Zudem kann es zu schweren allgemeinen Folgeerkrankungen von inneren Organen wie Niere, Leber, Herz und Gelenke kommen.

Vorbeugende Maßnahme: Zähneputzen!

Daher ist eine regelmäßige Kontrolle und Prävention äußerst wichtig. Die beste vorbeugende Maßnahme ist wie für den Menschen das regelmäßige (tägliche!) Zähneputzen mit speziellen Zahnpasten und –bürsten für Tiere. Auch beim Menschen wurde noch keine effektivere Maßnahme gefunden. Allerdings sollten Zahnpasten für Menschen wegen den darin enthaltenen Aroma- und Schaumstoffe nicht verwendet werden. Zur weiteren Unterstützung können regelmäßig Kauknochen (am besten Ochsenziemer), enzymhältige Kaustreifen oder spezielle faserreiche Trockenfutter gegeben werden.

Behandlung von Zahnstein, Gingivitis und Parodontitis:

Die fachmännische Behandlung erfolgt neben der Entfernung des sichtbaren Zahnsteines vor allem durch genaues Reinigen der Zahnfleischtaschen mit anschließender Politur der Zähne. Vor allem das unter dem Zahnfleisch abgelagerte Material enthält massiv krankmachende Keime, und würde sonst weiterhin zu den irreversiblen Parodontal-erkrankungen wie tiefen Taschen und Freilegen der Zahnwurzeln führen. Bereits bestehende Parodontalerkrankungen müssen nach sorgfältiger Röntgendiagnose entsprechend behandelt werden. Dabei müssen die Zahnhälse kürretiert und gereinigt werden, sowie tiefe Zahnfleischtaschen chirurgisch behandelt werden. Neu ist die Behandlung mit lokal aufzutragenden periozeutischen Substanzen, welche einerseits die gefährlichen Keime bekämpfen und andererseits die Heilung des Zahnbefestigungsapparates beschleunigen. Oft müssen aber schwer befallene Zähne entweder wurzelbehandelt, plombiert oder extrahiert werden. Ebenso müssen eventuelle Fisteln und Abszesse sowie systemische Folgeerkrankungen innerer Organe in den Therapieplan mit eingeschlossen werden.

Karies: eher selten!

Zum Glück sind Tiere aufgrund ihrer Zahnstruktur (kaum Kauflächen) und ihrer Abwehrlage nur in Ausnahmefällen für Karieskeime (Actinobacillus actinomycetemcomitans) empfänglich. Karies kommt -allerdings selten- bei Hunden im hinteren Mahlzahnbereich besonders durch den Genuß von Kohlehydraten (Süßigkeiten!) vor. Zur Behandlung müssen die Kariesläsionen ausgebohrt und wie beim Menschen Füllungen mit Amalgam oder Kunststoff angefertigt werden.

Verletzungen und Frakturen:

Neben Zahnverlust und Zahnluxation durch Raufereien und Jagdunfälle kann vor allem die Gabe von zu harten Rindsknochen sowie das Spielen mit Steinen oder großen Stöcken zu Zahnfrakturen führen. Aber auch Tennisbälle sind gefährlich, da sie die Zähne so stark und schnell abreiben können, daß die Zahnhöhle (Pulpa mit Nerv) geöffnet wird. Die am meisten betroffenen Zähne sind dabei die Reiß- und Fangzähne. Eine rechtzeitige fachgerechte Behandlung kann aber den Zahn oft noch erhalten. Die notwendige Therapie ist neben dem Wiedereinsetzen und fixieren von losen Zähnen die Füllung von Defekten bei gesunder Pulpa (Vitalamputation) sowie eine Wurzelbehandlung (Endodontische Behandlung) bei infizierter Pulpa. Ebenso können Aufbauten mit Kunststoffen gemacht oder Zahnkronen aus Metall von einem Labor angefertigt und eingesetzt werden. Werden verletzte Zähne nicht behandelt, verursachen sie neben den Schmerzen Folgeerkrankungen wie Zahnresoptionen, Abzesse oder Fisteln. Dann sowie bei zu später Hilfe kann eine Extraktion notwendig sein.

Bißfest von Kindesbeinen an:

Bereits im Welpenalter sollte die richtige Stellung der Kiefer und der Zähne sowie das richtige Schließen des Gebisses (Okklusion), der Zahnwechsel und die Vollständigkeit des Gebisses durch einen Fachmann kontrolliert werden.

Die größten Probleme beim Zahnwechsel verursachen die Fangzähne. Fallen die Milchzähne nicht aus, so kann es zu gravierenden Fehlstellungen der bleibenden Zähne kommen. In Extremfällen kann es sogar vorkommen, daß sich das Tier permanent selbst in der Mundhöhle verletzt (vor allem beim Unterkiefer-Caninus-Engstand mit zu kurzem Unterkiefer). Die Entfernung von Milchzähnen nach dem Zahnwechsel sowie die Behandlung von Fehlstellungen einzelner Zähne sollte baldmöglichst gemacht werden, da im jugendlichen Alter Korrekturen am besten vorgenommen werden können.

Und frei nach dem Motto: „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, sollte man die Welpen spätestens ab dem Zahnwechsel ans regelmäßige Zähneputzen gewöhnen.

Der geriatrische Patient – bissfest im hohen Alter

Da jeder Tag mit schlechten Zähnen die inneren Organe schädigt, muß vor allem bei älteren Patienten auf die Zahngesundheit besonders geachtet werden. So wurde erst kürzlich in einer Studie ein statistisch eindeutiger Zusammenhang zwischen Zahnerkrankungen und der Schädigung von Nieren, Leber und Herz festgestellt. Daher soll vor allem beim geriatrischen Patienten eine Behandlung ehestmöglich nach einem allgemeinem Gesundheits-Check (wichtigste Blutwerte) durchgeführt werden. Dabei ist das Narkoserisiko bei den heute zur Verfügung stehenden Medikamenten und Methoden (Inhalationsnarkose) das bei weitem geringere Risiko als das durch Aufschieben einer Behandlung verursachte Risiko einer werteren Schädigung der Gesundheit des alten Patienten.

Zahngesundheit – Verantwortung des Tierhalters

Regelmäßige Kontrolle und Vorbeugung durch den Tierhalter sind also auch für unsere Haustiere notwendig um Zahnerkrankungen zu vermeiden. Manchmal ist es zwar schwierig Zahnprobleme rechtzeitig festzustellen, da Tiere oft trotz Schmerzen noch fressen, da der natürliche Freßtrieb stärker als die Schmerzen ist. Durch genaue Beobachtung und Kontrolle von Mundgeruch, Verhaltensänderung bei der Nahrungsaufnahme kann der aufmerksame Tierbesitzer aber Zahnprobleme bei seinem Haustier rechtzeitig erkennen, und wenn möglich einen auf Zahnbehandlungen spezialisierten Tierarzt aufsuchen, um Zahnprobleme zu beheben und schwerwiegende Folgeerkrankungen zu vermeiden.